“Beim Bleigießen ist Deutschland Entwicklungsland” – Das Silvestergespräch

Dr. Pinyin Zuko ist Altertumsforscher in Shenzen und seit Generationen Träger des 7. Dan im Bleigießen. Mit uns sprach er über das Jahr der Tigerente und die Dummheit der Deutschen.

Herr Dr. Pinyin, wo erreichen wir Sie gerade?
Ich komme gerade von einer Silvesterfeierlichkeit im Kollegenkreis und bin mit dem Taxi auf dem Weg nach Hause.

Haben Sie es ordentlich krachen lassen?

Nein. Wir Chinesen begehen Silvester traditionell eher ruhig. Wir heben uns die große Sause bis Februar auf. Dann feiern wir das chinesische Neujahrsfest. Es gibt bei uns am Silvesterabend auch kein Feuerwerk, obwohl wir ja das Pulver erfunden haben.

Welche Rolle spielt bei Ihnen das Bleigießen?
Viele Europäer glauben, dass das Bleigießen auf die alten Römer zurückgeht. Das stimmt nicht. Die Tradition des Bleigießens reicht in China zurück bis etwa 800 Jahre vor der Shang-Dynastie. Da gab es in Rom noch nicht einmal ein Viadukt. Die römische Urheberschaft an der Kunst des Bleigießens ist nicht der einzige Fehler. Mich versetzt es immer wieder in rasendes Erstaunen, wie stümperhaft die Europäer beim Bleigießen sich anstellen.

Floete von Goethe

Typische Form beim Bleigießen: “Jahr der großen Nase”

Das müssen Sie erklären!
Sehen Sie: Die Deutschen halten einen Bleiklumpen vor ein primitives Kerzenlicht und versuchen, die Form des Schattens zu deuten. Sie glauben, etwas Gegenständliches zu erkennen, eine Ananas zum Beispiel, einen Golfschläger oder ein iPad. Bei diesem Schritt der Deutung orientieren sich die Deutschen an Dingen, die sie anfassen können oder schon einmal gesehen haben – Hund, Katze, Maus.

Wo ist daran falsch?
Nehmen wir an, Sie hätten einen Käfer gegossen, einen Nashornkäfer vielleicht, mit einem richtig großen Horn. Dann schauen Sie in die Gebauchsanleitung, was das bedeuten soll. Dort steht dann beispielsweise so etwas wie “beglückende Liebeserfahrung”. Was hat ein Nashornkäfer mit einer beglückenden Liebeserfahrung zu tun?

Sagen Sie es mir!
Rein gar nichts! Ich finde es bestürzend, dass Europäer das einfach nicht verstehen! In Deutschland glauben die Menschen offenbar immer noch, dass Ananas und Fruchtbarkeit irgendwas miteinander zu tun hätten!

Wie deutet man die Formen beim Bleigießen richtig?
Ohne den ganzen hinterwäldlerischen Aberglaube! Sie sollen nicht versuchen, ein Feuerwehrauto zu erkennen, dass für plötzlichen Reichtum steht. Stattdessen müssen Sie versuchen, die wahre Botschaft der Form zu erkennen. “Geradlinigkeit” zum Beispiel. Wie eine solche Form aussieht, die “Geradlinigkeit” bedeutet, können Sie sich vorstellen, oder?

Ich glaube schon, ja.
Ich erkläre es Ihnen: Sie ergibt im Schattenwurf eine gerade Linie. So einfach ist das. Die Bedeutung lesen Sie aus der Form selbst – und nicht etwa über den Umweg irgendwelcher Assoziationen. Ein geschultes Auge kann nicht nur die Bedeutungen “Kontinuität”, “Kreis” oder “Dreieck” erkennen, sondern auch komplexere: “Burn-out”, “Karposi-Sarkom” oder “Polyamorie” – oder eine Kombination dieser drei Grundbedeutungen sowie deren Verbindung zueinander. Deutschland ist beim Bleigießen immer noch auf dem Stand eines Entwicklungslands, in dem die Menschen aus einem Regentümpel trinken müssen, weil es noch kein Viadukt gibt.

Haben Sie eine Erklärung für dieses kulturelle Missverständnis?
Missverständnis ist milde formuliert. Ich würde von Dummheit sprechen. Wo die ihre Ursachen hat, wissen wir inzwischen sehr genau: Die Deutschen haben ja sehr große Nasen. Schädelmessungen haben ergeben, dass das Volumen des Kopfes bei allen Menschen nahezu gleich ist, plusminus. Logischerweise geht das Volumen der Nase auf Kosten des Gehirnvolumens. Einfacher formuliert: Je größer die Nase, desto größer die Dummheit.

Herr Dr. Zuko, das, äh …
Pinyin, bitte! Bei Chinesen kommt der Nachname an erster Stelle, also vor dem Vornamen. Um dies zu verstehen, müssen sie bis zwei zählen. Wir machen das einmal zusammen. Eins: Nachname, zwei …

Dr. Pinyin, wir danken für das Gespräch und wünschen ein frohes Neues Jahr!
Guten Abend nach Wiesbaden.

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