Exposé und Leseprobe

Literatur im Netz ist das nächste große Ding. Die Zeit spricht bereits von der “Netzliteratur”, Verlage öffnen ihre Programme für Twitter, Facebook & Co. Schon heute gibt es keinen Schriftsteller mehr, der nicht mindestens einen Blog hätte. Die Lesegewohnheiten verändern sich: Heute erwarten die Leser 140 Zeichen und mehr. Wir haben uns auf digitale Spurensuche begeben: Hier sind die besten Exposés und Leseproben aus dem “world wide web”!

Ungelogen!
Mord im Bionade-Milieu! Kommissar Kolle-Rebbe hat alle Hände voll zu tun. Denn das Bioladen-Milieu hält zusammen und sagt noch nicht einmal “Hallo”, wenn Stammkunden die LPG betreten. Was geschah am Kollwitzplatz? Wer ist dieser ominöse Geistheiler aus Kladow? Heizt das schwule Pärchen ihr Loft in der Husemannstraße eigentlich zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien? Eins ist klar: Wer Krötengift nach indianischem Ritus einnimmt, stirbt eines qualvollen Todes – ohne auch nur die geringste Spur zu hinterlassen!

iPorn- Das neue Skandalbuch der Generation @!
Lena arbeitet für den feministischen Lobbyverband “MissU”.  Was ihre Chefin Schulze-Geisslinger nicht ahnt: Lena hat eine Schwäche für Internetpornos. Ihre Tagesdosis liegt bei vier Stunden, die besten Choking-Szenen speichert sie auf dem Handy ab für unterwegs. Robert, Blogger bei kreuz.net, staunt nicht schlecht, als er die Videos auf dem im ICE gefundenen mobilen Endgerät entdeckt. Er will der Gleichgesinnten eine PM auf Twitter schicken, aber er verwählt sich: Die pilante Nachricht erreicht versehentlich Johannes Ponader. Eine turbulente Sexgeschichte für moderne Menschen beginnt …

Rüschenlos – ein #aufschrei in drei Aufzügen (und einem Akt ebenda)
Seit drei Wochen habe ich einen Stalker. Es ist der türkische Gemüsehändler. Immer, wenn ich bei ihm Eisbergsalat für meine berühmte Eisbergsalatbowle kaufe, guckt er schon so komisch – und das nicht nur, weil er Orientale ist. Er will mehr, er will das eine, er will es. Mit es bin ich gemeint. Ich. Ich bin für ihn ein es. Das weiß ich, weil er es zu mir gesagt hat. Oral. Ich habe gesehen, wie sein Mund auf und zu ging. Gelbe Zähne, große Nase. Ich weiß, was er dabei gedacht hat. Als er zu mir gesagt hat “Kauf Aubergine, viel gesund. Mutter, Bruder, deine Freund oder der Mann – auch du: ess”, da wusste ich’s.

Wie Michael Jürgs die Welt sah
Das politische Berlin, mitten im Winter. Das “Einstein” riecht nach Regenschirm. Die EEG-Umlage ist längst Geschichte, als Jürgen Großmann das Lokal betritt. Der massige Mann weiß, wer bei EnBW dahintersteckt: Die ICEs fahren nicht mehr, die Menschen heizen mit Kartoffeln und essen nur noch die Schalen. Es ist der härteste Winter, seit die Division Totankopf aufbrach, neue Welten zu entdecken. Dann die Nachricht aus Brüssel: Oettinger feiert Dienstjubiläum! Jürgen Großmann reist mit dem Notstromexpress sofort nach Stuttgart 21 und sondiert die Lage. Am nächsten Morgen machen Spaziergänger einen grausigen Fund.

Die Auberginen-Zitadelle
Ein paar gelangweilte Slacker planen einen Terroranschlag nach dem anderen. Zunächst planen sie die Entführung von Stefan Raab, sind aber am nächsten Tag zu verkatert. Als sie sich mit einem von der Sozialdemokratie enttäuschten Betriebsrat zusammentun, wird plötzlich ernst aus den Gedankenspielen. Zusammen mit dem Kitzelpornoproduzenten Jochen annektieren sie den Vatikan mitmilitärischen Mitteln. Doch das Heil, das sie sich von den weitreichenden Ausscheifungen in der Sixtinischen Kapellen (und der Lektüre der Septuaginta) erhoffen, bleibt aus. Welche Rolle spielt Dr. Sütterlin?

Meerschweinchen in Seitenlage
Die Titten sind größer geworden. Arsch nicht, dreh dich um. Nein. Jaz macht noch Bier auf, weil er aus Versehen nur eine 0,33 erwischt hat. Sie gibt Feuer. Der Phosphor der Streichhölzer riecht wie Weihnachten und Silvester in Echtzeit. Das offene Fenster, die Magnolenblüte, alles. Sommer ist es nun geworden. Keine Sonnenallergie, dieses Jahr; Juli: zu verregnet.

Litauen verkaufen, nächste Woche bin ich in Marrakesch
“Kasseler, Mutter, du isst gerade ein Kasseler”. “Ganz recht”, entgegnete sie, “mit Sauerkraut. Was Handfestes.” Es war aussichtslos. Ich hatte sie gerade für die Reize der asiatischen Küche zu erwärmen versucht. Mit ruhiger Stimme erklärte ich ihr, dass es Länder gebe, in denen man zu Rind “Gai” sagt. “Gai!”, zürnte sie. “Gai, gai, gai!” Sie war vollkommen außer sich. Ich wollte ihr noch klarmachen, dass es auch in Osnabrück eine Vielzahl von Hobbyköchen gebe, die sich ihr Currypulver selbst mischen wollten, weil das aus dem Supermarkt nicht scharf genug sei. „Gai”, sagte sie nur.

Ich, Uwe
Das Mädchen mit den faulen Zähnen pinkelte auf den Bordstein. Gern hätte ich mir ein paar Trevilor oder etwas Haldol geschnorrt. Doch da kam schon das neue Weizen. Rasch versiegelte ich mit dem Glas meinen Mund. Man musste auf der Hut sein.

Polly ist polyamourös
Rolf: Wir probieren’s mal. Müsste eigentlich passen. Passen tut eine ganze Menge, bloß bis dahin ist noch ‘n bisschen. Wolln wir ihr ein bisschen Öl zugestehen?
Off: (zögerlich) Jaaa, ich würde sagen: für den Anfang …
Rolf: Für den Anfang.
Off: Normalerweise ist’s ja nicht üblich, ne?
Rolf: Überhaupt nicht! Aber, denke mal …
Off: Gut, also, ich würde auch sagen und so weiter. Kannst du die Beine ein bisschen weiter auseinander machen?
Rolf: Ja. Klar. So lassen wir es richtig reinlaufen, ja.
Off: Au, ist ja so ein richtig Zähes. Nicht dass das jetzt so ein Kleber ist. Sekundenkleber oder so. Das wäre dann natürlich sehr peinlich. Also, Freunde, passt auf was ihr nehmt! Ah, das sieht schon ganz anders aus.
Rolf: Und schön zusammen, die Beine, und festhalten, das Ding da drin. So.
Off: Bisschen abputzen.
Rolf: Ja.
Off: Jetzt wird sie ein bisschen.
Rolf: Wie gefällt dir das?
Off: Wie die Fotze auf- und zugeht.
Rolf: Wollen wir nachladen?

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