Die Schufa sorgt für mehr Post Privacy: Warum ACTA kommen muss

Ey, Schwarmintelligenz: Wie muss man drauf sein, um ACTA für irre empörenswert zu halten, das “Forschungsvorhaben” der Schufa aber okay zu finden? Ach, ich verstehe: Die Auswertung von Facebook zu Scoring-Zwecken wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur echten Post Privacy gewesen.

Ich gewöhne mich nur langsam an die Neue Zeit. Erst gestern war ich bei Sonnenschein im Park. Die Vögelchen dort waren zwar nicht so bunt wie das Twitter-Logo, aber das hat mir gar nichts ausgemacht.

Heute wieder zurück in der echten Welt: Qualitätsbloglektüre. Habe bei meinem Ausflug in die Alte Welt voller überkommener Geschäftsmodelle (Eisdiele, kommunal betriebene Springbrunnen, Vogelgetwitter) alles verpasst. Die “Schutzgemeinschaft für allgemeinen Kreditschutz (Schufa)” wollte zusammen mit dem Hasso-Plattner-Institut herausfinden, ob sich Facebook und alles andere im Netz nicht fürs Scoring nutzen lasse. “SchufaLab@HPI” hieß das mittlerweile angeblich gestoppte Projekt.

Also mal schauen, was die Qualitätsblogger so schreiben darüber. Nicht gut, schreibt Thomas Knüwer auf “Indiskretion Ehrensache”, sei SchufaLab@HPI. Das sei einfach kein schöner Name für so ein schönes Projekt:

[...] ein Titel, den sich nur Menschen ausgedacht haben können, die die deutsche Sprache sehr, sehr hassen

schreibt Indiskreationist Knüwuer. Nun, die Menschen, die sich nicht nur den Namen ausgedacht haben, hassen wahrscheinlich noch ganz andere Dinge als die deutsche Sprache wirklich sehr, sehr. Dachte ich. Aber ich habe mich zu lange in der Alten Welt aufgehalten. Das hat mir das Neue Denken etwas vernebelt.

Das Internet ändert alles. Nur mich noch nicht so richtig

Die Einzelheiten der in Timelines geführten Debatte hole ich nicht mehr auf, obwohl Twitter ja schon längst kein Echtzeit-Medium mehr ist. Auch in das Knüwer-Konvolut und die dortige Kommentarlage möchte ich mich jetzt wirklich nicht einlesen. Aber es scheint irgendwie folgender Konsens zu herrschen: Die Schufa macht gute und wichtige Arbeit (was mir neu war, aber im Park kommt man auf dumme Gedanken). Die Forschungsergebnisse sind zudem von allgemeinem Interesse. Außerdem kann man einen günstigen Kredit bekommen, wenn man mit Leuten kommuniziert, die bei Xing über erstklassige Referenzen verfügen.

Auch der Stadler macht mit. “Die Schufa macht, was sie immer gemacht hat“, schreibt er auf internet-law.de – tatsächlich mit solch altertümlicher komma setzung gleich in der ueber schrift. Rechtlich sei das alles vollkommen unbedenklich. Zum Beweis werden rasch ein paar Paragraphen verlinkt (die ich mir jetzt wirklich nicht durchlesen werde) und fertig ist die rechtliche Würdigung aus Freising, Bayern, Germany. Und der Knüwer habe übrigens voll Recht. Und alles andere: Die übliche mediale Empörungsmaschinerie.

Die Kanzlei Kompa kann zu dem Thema gerade wohl nicht bloggen, weil sie mit der Klehranlage beschäftigt ist. Der Name “Klehranlage” ist übrigens von Leuten erdacht worden, die die deutsche Sprache sehr, sehr lieben. Ansonsten distanziere mich von allen Tatsachenbehauptungen oder enthaltenen falschen Eindrücken in Bezug auf die Kanzlei Kompa.

Irgendwo ist dann auch noch zu lesen, dass die Schufa sich mit einem erfolgreichen Forschungsprojekt selbst abschafft, weil dann jeder Mobilfunknutzer mit ein paar Open-Source-Lösungen zur Datenverknüfung gegen schmales Investorenkapital sich selbst seine eigene Schufa sein kann.

Mich überraschen diese Ansichten ein wenig. Aber gut – ich war ein ganzes Wochenende an der frischen Luft, die ja bekanntlich müde macht. Halten wir fest: Dass das Schufa-Projekt durch die Content-Mafia gestoppt wurde, ist zwar schade, aber egal: Das Vorhaben ging eh nicht weit genug. Wer echte Post Privacy möchte, muss noch krasser, noch transparenter aufspielen.

Da wäre ACTA doch eigentlich gerade zum richtigen Zeitpunkt gekommen. Wer Transparenz sagt, muss notwendigerweise auch deep packet inspection sagen (ein Name, der von Leuten erdacht wurde, denen ihre Sprache einfach sehr, sehr egal ist). Well, dass ACTA tatsächlich eine deep packet-Inspektion schaffen könnte, ist verschwörungstheoretische Vermutung die absolute, unabänderliche Wahrheit. Gut so! Denn nur wenn alle Daten – ich wiederhole und gebe dem deutschen Volk mein Ehrenwort, ich wiederhole: mein Ehrenwort – alle Daten allen Internetteilnehmern überall und jederzeit und in der gebotenen Transparenz (id est: abbildbar in einem Widget) zu nun wirklich jedem Zweck verfügbar sind, dann

Ist die Neue Zeit da
Der Heiland erschienen.

ACTA, komm über uns!

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One comment on “Die Schufa sorgt für mehr Post Privacy: Warum ACTA kommen muss

  1. Durchschaubar!

    Das ist alles, was mir zu Deinem verzweifelten Versuch, die Aufmerksamkeit auf belanglose Themen zu lenken, einfällt. ‘SCHUFA’ und ‘Scoring’, das interessiert im Internetprekariat doch wirklich keine Sau. Das hat keine Eier. Damit gewinnt man keinen Krieg. So was gehört sofort in die Bedeutungslosigkeit weggebloggt. Wäre ja noch schöner, wenn man zuließe, dass sich in dieser wichtigen Phase der Schlacht die mühsam fokussierten Energien auf Nebenkriegsschauplätze zerstreuten.

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