Ich gestehe: “Ich bin Urheber” – Selbstanzeige bei Anonymous

Ich habe mich von der VG Wort bezahlen lassen, habe Werkverträge mit Verlagen und Labels geschlossen und sogar Schriftverkehr mit der Gema unterhalten: Ja, ich bin ein Urheber. Und ehe nun Anonymous mir meine gerechte Strafe zukommen lässt, stelle ich die Daten selbst ins Netz – von der PIN-Nummer meiner ec-Karte bis zur genauen sexuellen Orientierung.

Ich gestehe: Ich bin Urheber. Meine Werke unterliegen dem Urheberrecht. Ich habe mich von Verwertern vergüten lassen. Dadurch habe ich der Allgemeinheit schweren Schaden zugefügt. Die meisten meiner Werke bestehen aus einer Aneinanderreihung von Buchstaben. Diese Buchstaben habe ich mir nicht selbst ausgedacht, sie waren schon vor mir da. Durch die Verwendung dieser Buchstaben habe ich die Allgemeinheit bestohlen – und das Diebesgut bei Verlagen, der VG Wort und sogar der Gema zu Geld gemacht.

Dass ich mich mit dieser Selbstanzeige nun freiwillig der wohlfeilen Verfolgung durch Anonymous stelle, hat seinen Anlass in einem weiteren Vergehen. Unlängst habe ich darüber nachgedacht, das Bekenntnis “Wir sind die Urheber” zu unterzeichnen. Ich habe es nicht getan – erstens aus Angst, mir oder meiner Familie könnte etwas Schlimmes zustoßen; zweitens wollte ich meinen Namen nicht in der Gesellschaft von Martin Walser,  Günter Wallraff und Mario Adorf sehen, allesamt Urheber, die so erfolglos sind, dass sie noch nicht einmal als Nutzer bei Google+ bekannt sind.

Auch wenn ich also nicht unterzeichnet habe, so habe ich mich durch die bloße Überlegung doch eines schweren Gedankenverbrechens schuldig gemacht, das nicht ungestraft bleiben kann. Mit einer Veröffentlichung meiner Anschrift und meiner Smartphonenummer ist es eingedenk der besonderen Schwere der Schuld nicht getan. Da ich aber keinen Facebook-Account unterhalte, lassen sich nicht alle meiner persönlichen Daten umstandslos hacken. Dadurch mache ich es den Schwertträgern der glorreichen Digitalen Revolution böswillig schwer.

Zum Zeichen meiner Kapitulationsbereitschaft, um die gerechte Verfolgung durch Mob und Pöbel nicht weiter zu verkomplizieren und um meiner Verpflichtung gegenüber der Transparenz als höchstes Gut genüge zu tun, stelle ich die notwendigen Daten nun selbst ins Netz.

Anonymous, durch diese hohle Gasse muss ich kommen!

Wohnung: Die Adresse steht im Netz. Nicht im Netz steht, dass sich das Wohnzimmer am Ende des Flures rechts befindet. Darin steht eine qualitativ hochwertige Stereoanlage, derer ich enteignet werden muss. Im gleichen Zimmer lagert eine große Anzahl von CDs, darunter auch das Album “Weißes Papier” von Element of Crime. Diese sind zu zerkratzen oder mit einem mit Edding gezeichneten Logo der Piratenpartei auf der Unterseite unbrauchbar zu machen, damit ich endlich einsehe, dass das Hören komprimierter Musikdateien über Laptop-Lautsprecher die zeitgemäße Form des Musikgenusses ist.

KFZ-Kennzeichen:Ich fahre einen BMW der 3er-Reihe (BJ 1994) mit dem amtlichen Kennzeichen B-OF 3562. Nachts ist das Fahrzeug in der Straße meiner Wohnung abgestellt, auf der aber viele potenzielle Zeugen unterwegs sind (Sauftouristen).

anonymer 3er-BMW

Des Wahnsinns fette Beute: mein BMW

Tagsüber, wenn ich arbeite, ist das Auto in dieser ruhigen Seitenstraße (nebenstehend) abgestellt. Es handelt sich um die Mohrenstraße etwa in Höhe der Hausnummer 37 in Berlin.

Kreditkartennummer: Die Nummer meiner Kreditkarte ist leicht via die üblichen Kanäle zu beschaffen. Wenn der Verfügungsrahmen nicht ausreicht, um die Wiedergutmachungszahlung an Abmahnopfer und das deutsche  Volk zu leisten – immerhin habe ich unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit die gesetzgeberische Kompetenz der Piraten geleugnet -, findet sich meine EC-Karte in meiner rechten äußeren Jackentasche. Die PIN-Nummer lautet: 5603.

Reiseverhalten:Aus beruflichen Gründen reise ich einmal die Woche nach Frankfurt. Ich nutze den Flug LH 171 und sitze meistens auf 19 D. Wenn ich mir vor dem Check-in einen Kaffee hole, ist mein Gepäck für einen Augenblick unbeobachtet.

Styroporkaffee in TXL

Unbeobachtet: Spiralteppich in TXL

Privat reise ich oftmals mit dem ICE 650 auf der Route Berlin-Köln und passiere dabei den Sehnsuchtsort Eschede. Im Bordbistro bevorzuge ich die sechs Nürnberger, im Bordrestaurant bestelle ich immer die “Rinderroulade ‘Hausfrauen Art’”. Die tiefdruckerschwarze Printausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung lese ich dabei sehr gründlich und halte sie über Stunden in den Händen, so dass es eine Überlegung wert sein könnte, mich mit einem Kontaktgift, das über die Haut aufgenommen wird, meinem verdienten Ende zuzuführen.

Das Grab meiner hochver(s)ehrten Großmutter: Die Grabstätte hat die Nummer 3242. Man findet sie auf einem kleinen Blechkreuz, das die Friedhofsverwaltung hinter dem Grabstein in den Boden gesteckt hat. Der Zugang ist nur durch eine hohe Steinmauer behindert, dessen Überwindung auch bei Dunkelheit für jeden Anonymous kein Problem darstellen dürfte. Bitte nur auf dieses Grab urinieren! Daneben findet sich die letzte Ruhestätte eines diplomierten Mathematikers, der in den 50er Jahren sehr verdienstvoll die IBM 704 mit Fließkomma um Fließkomma gefüttert hat.

Sexuelle Orientierung: Sie dürfte allgemein bekannt sein oder sich leicht mittels Google hacken, cracken und natürlich doxen lassen. Exakt wird meine sexuelle Orientierung durch diese GPS-Daten beschrieben: 50.87354909623257, 10.14862060546875.

Weitere Verbrechen gegen die Allgemeinheit und die Neue Zeit

Die eingangs aufgeführten Vergehen sind nicht die einzigen, für die mich Flashmob und Shitstorm richten mögen. Weitere Strafmaßnahmen sind aus folgenden Gründen gegen mich durchzuführen:

  • Ich habe den gesamten ACTA-Text [pdf] gelesen. Mein Vergehen ist, dass ich die Lektüre nicht gestreamt habe, sondern IM GEHEIMEN in meinem Wohnzimmer abgehalten habe.
  • Ich habe Lügen über die re:publica verbreitet, eine Lanze für die Musikindustrie gebrochen und war nicht nett zu Bernd Schlömer.
  • Ich habe mehrfach in meinem Leben einen Musikfolge-Bogen der GEMA ausgefüllt, einmal sogar mit richtigen Angaben.
  • Ich habe den Hinweis “gemafreie Musik” bisher stets für einen Hinweis auf niedrige Qualität von Pornofilmen auf Betamax oder Video 2000 gehalten.
  • Ich benutze manchmal andere Suchmaschinen als Google. Ein kindischer Dumme-Jungen-Streich, ich weiß. Aber Infantilität schützt vor Strafe nicht!
  • Ich habe meinen Facebook-Account gelöscht, so weit dies eben möglich ist, und der Wissensgesellschaft auf diese Weise schweren Schaden zugefügt.

Ihr wisst, was das für mich bedeutet.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Piraten abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

112 comments on “Ich gestehe: “Ich bin Urheber” – Selbstanzeige bei Anonymous

  1. Pingback: 14. Mai 2012: Medientagebuch « Schichtstufen

  2. Mit dem Verfassen dieses Textes bist Du – schon wieder – Urheber.
    Strafverschärfend zu werten ist die korrekte Orthographie und das völlige Fehlen von netzaktiven Abkürzungen.

  3. “Exakt wird meine sexuelle Orientierung durch diese GPS-Daten beschrieben: 50.87354909623257, 10.14862060546875″

    Am Schafberg ?

    na dann…

  4. Urteil:
    Und wegen dieser schweren Vergehen dürfen Sie, Herr Urheber, ab sofort keine führende Rolle mehr in revolutionären Kämpfen übernehmen!

  5. Pingback: Kurz vor Glockenschlag (auch: eBook-Lesung, weitere Plan B Konzerte) | Spreeblick

  6. Mein Held! Ich habe mich köstlich amüsiert! Schön daß dich diese ganze Debatte so positiv beflügelt! Weiter so!

  7. Ihre späte Reue entbindet Sie nicht von der Verpflichtung dem Volkskörper gegenüber, sich nun selbst aus der Welt zu schaffen, ohne dabei allzuviel Schmutz zu hinterlassen.

  8. härrrrlisch! Ich bekenne mich mitschuldig – ohne die Urheberschaft dieser herzerfrischenden Publikation ankratzen zu wollen … und bei der Massenheirat will ich dabei sein!

  9. Großes Tennis! Hab mich seit Beginn der Debatte lange nicht mehr so gut amüsiert – und zugleich informiert gefühlt.

  10. ich bin schon verheiratet, würde dich aber aufnehmen, wenn mein Haushalt bis dahin nicht gehackt ist.

  11. Der erste Urheber macht sich nackig. Ich bitte, diesem Beispiel zu folgen. Unbedingtes Gehorsam wird vorausgesetzt. Wunderbar geschrieben!

  12. Je größer die Datenflut, desto leichter geht das ganze System den pekuniären Bach runter. Scheißt sie zu mit Euren Informationen! Bis die Kabel glühen und die Server in den klimatisierten Schränken maßgeblich zum Global Warming beitragen! Am Besten machen wir eine Eingabe beim Bund, alle relevanten und irelevanten Infos über die Bürger dieses Landes als Hardcopy auszudrucken, abzuheften und zu archivieren. Für eine Sichtung nach der großen Pleite, für spätere Generationen, Archäologen ohne Strom, Aliens… Wer schreibt, der bleibt… Obwohl, will dann noch jemand bleiben??? Also, lieber Urheber, bitte weitermachen und nicht nach Lummerland ziehen. Danke.

  13. Ja, gut. Wenn Anonymous unbedingt und auf Teufel komm raus seine Symphatien verspielen will. Meinen Hass können die haben. Das ändert aber nichts an meiner Opposition zu den neuesten GEMA Maßnahnmen. Ich glaube da an zivilisierte Protestformen. Anonymous sind nurn Haufen Teenies mit Keyboards. Mehr nicht. Anonymous- Ihr müsst vorsichtig sein mit Euren Methoden. Faschistoid ist immer einfach. Aufgeklärt nicht! Also Obacht, Anonymous… Obacht

  14. Ich will Dich nicht heiraten, finde den Text aber auch in einer Lotterbeziehung zu Dir sehr sexy!

  15. Bis auf den Schlag auf die Piratenpartei eins ehr guter Text. Was für ne sinnlose Aktion und einfach nur destruktive Aktion das war. So führt man keine Debatte.

    Daumenhoch!

  16. Gerne möchte ich dem Lobes-Chor beistimmen.

    So schön kreativ dieser Schwachsinns-Aktion von ‘Anonymus’ begegnet wird, so wenig hilft es der Debatte, die ja eigentlich schon gar keine mehr ist, als nunmehr eine eskalierte Hysterie auf beiden Seiten.

    Zur Erinnerung: Wir – die Menge Nicht-oder-Selten-Urber und Niemals-Hacker – schütteln den Kopf und meinen: Ball flach halten und endlich (nach viel zu viel Jahren) eine Lösung, einen Kompromiss – so wie in anderen Ländern auch – herbei führen. Wir wollen nicht Eure Bücher stehlen, wir bezahlen liebend gerne für Eure Songs, wir spenden auch gerne für Eure Kunstprojekte und erziehen unsere Kinder dahin, dass sie nicht Eure Songs bei YouTube saugen. Und den Tatort gucken wir auch weiterhin in der ARD. Wir – das sind viele. ANONYMUS – das sind wenige – zugegeben: Idioten.

    • Sehr schön gesagt. Denn daß es zu dem von Dir erwähnten Kompromiss kommen muss, ist unverneinbar. Ich wurde als GEMA Mitglied noch nie an irgendeiner Ausschüttung beteiligt, weil sich da die “priviligierten” Mitglieder (James Last, Ralph Siegel & Co.) erst mal schön dran fettfressen. Sowas muss sich ändern und die Musikindustrie MUSS technisch endlich mal aus dem Keller des 20. Jahrhunderts hinaufsteigen in das 21. Jahrhundert. Es gibt genug Methoden sich (fair und technisch einfach) vergüten zu lassen.

      • … zumal der Wille und die Bereitschaft der breiten Masse an Konsumenten gegeben ist – bis auf be(-n/-k)ante Ausnahmen. Das Beispiel YouTube/GEMA zeigt, wie verfehlt die ganze Debatte derzeit läuft: Die Grundargumente beider Seiten sind berechtigt, nur der Kompromiss scheint hierzulande nicht möglich. Und im Zuge dessen werden aus ‘normalen’ Internet-Nutzern raffgierige Piraten, die den armen Musikkomponisten, der wie Spitzweg unterm Dach haust, um sein spärliches Salär betrügen. Schwachsinn: Heutzutage erfahren Menschen überhaupt via Plattformen wie YouTube, Amazon oder Facebook über die Werke und Arbeiten der Künstler, um sie dann bei Amazon, ITunes oder sonstwo zu kaufen. Der umständliche Weg des “Saugens” bei Pirate-Bay oder anderen Torrent-Plattformen ist – auch angesichts der annehmbaren Preise heutzutage – für den ‘Normal-Konsumenten’ einfach uninteressant. Wer ‘klaut’ und liest an seinem PC Bücher? Wer verbringt Stunden auf der Suche im Netz, um sich eine Tatortfolge mit russischen Untertiteln zu saugen?
        Aus meiner Sicht: Von den derzeitigen Sperrungen und der überhitzten Diskussion hat niemand etwas, vor allem nicht die Urheber. Ergo: Lieber Lösungen suchen und Diskutieren, anstatt unsinniger Aktionismus.

      • @Ahnungsloser:
        “James Last” ist wohl weniger “Urheber” als Interpret und somit kein oder nur ein ferner-liefen-GEMA-Mitglied.

  17. Thank you for posting this data. We added you to our black list.

    We are Anonymous.
    We are Legion.
    We do not forgive.
    We do not forget.
    Expect us.

    ;)

    • We are not Anonymus. We show our faces.
      We are not Legion. We are all.
      We do forgive.
      We do forget.
      Do not expect us. We are already here.

  18. Lieber Urheber, ich will ein Kind von Dir!
    Mit wem du es machst, ist mir egal!
    Bedingung ist – Anonymous ernährt uns – ich bin Schriftsteller…

  19. Pingback: Katja Kullmann » Die unsägliche Urheberrechts-Kacka – und ein lesenswerter Blog

  20. Falls wir uns im Stall der Verdammten treffen sollten – ich bin die mit den Flügeln, die Botin zwischen den Schafen auf dem Feld und verkünde hiermit: Es ist Licht geworden. Auf Neudeutsch: Klasse Text.

  21. Ich bin völlig begeistert! Kommt selten vor, dass nicht nur eine Meinung bzw. ein so explizit formuliertes Statement abgegeben wurde und daraufhin auch noch so köstliche, intelligente, humorvolle Kommentare folgten! Zum niederknieen! Ich schöpfe wieder Hoffnung! ;-)

  22. Pingback: Ich zeige mich selber bei Anonymous an. « drüberleben

  23. Anonymous hat sicher schon mit aufwendigsten technischen Mitteln den Denic-Server geknackt und Telefonbücher durchwühlt, um rauszufinden, was in Deinem Impressum steht.

  24. Ich werden den Text stehlen und weiterverbreiten.
    *Bäh!*

    PS
    Von dir würde ich mir gern Orthographie einbläuen lassen – wenn es sein muss auch auf dem Spiralboden

  25. Haha, sehr witzig. Auch dieser Text wurde nur auf den Schultern von Riesen geschrieben und wäre laut dem Infinity Pirates Theorem auch so entstanden! Datenschutz ist Täterschutz und Daten kann man nicht stehlen! Die sind doch immer noch da!* Ja, ja ein alter BMW. Dabei steht in der Garage längst ein nagelneuer, bezahlt von der Contentmafia, die auch diesen Post gesponsert hat!

    *btw bei der nächsten “Freiheit statt Angst” möchte ich bitte nicht fotografiert werden! Informelle Selbstbestimmung, you know?

  26. Bestens. Mit dem fein platzierten Humor hat diese “Gestaendnis” Anonymus und die Pirat(t)en bestens ausgehebelt. Mein Kompliment.

  27. Der Jurgen Dalluge aht nicht gesagt, dass Dein Kommentar noch moderiert werden muss. Mein Kommenta beginnt mit : Bestens.

  28. Pingback: Henning Uhle | Und dann verhob man sich am Ur

  29. Da muss man gleich an Orwells 1984 und Animalfarm denken. Entwickelt sich Anonymus vom Robin Hood (Image) gegen die bösen Investmentbanken und ihre politischen Lakaien jetzt immer mehr zur Internet GESTAPO oder wie ist das zu verstehen? Ist Anonymus vielleicht sogar eine Sonderabteilung der nationalen und internationalen Geheimdienste? Also so etwas wie eine Alkaida im Word Wide Web? Wer ist der Osama von Anonymus? Und wenn er enttarnt wird und ihm etwas zustösst, wird er zum Martyrer erklärt, wie es ihm nach seiner religiösen und gesellschaftlichen Orientierung zusteht? Wann fängt Anonymus endlich an in allen Großstätten auf öffentlichen Plätzen die Hackerbiebel an interessierte Passanten zu verteilen?

  30. Vielleicht solltest Du erst einmal verstehen, worum es geht, bevor Du einen solchen Stuss urhebst.
    Enteignen? Will niemand.
    Urheberrecht abschaffen? Will niemand.

    Eigentlich müsstest du, entsprechend dem, was Du schreibst, selbst Pirat sein. Denn du machst genau das, was eigentlich von diesen gewünscht wird: du verdienst Geld mit Arbeit. Und nicht mit Sein. Du schreibst für Werkverträge. Du fliegst viel nach Frankfurt – und ich vermute mal, dass du dort nicht nur “bist”, sondern etwas tust. Und Geld dafür bekommst.

    Und abgesehen davon ist Deine Polemik einfach nur unerträglich. Unerträglich dumm, kindlich, naiv. Du argumentierst wie mein 3jähriger Sohn. Oder ein gekränkter Teenager in der Pubertät. Seid doch nicht alle so gemein zu mir, hier, nehmt dies, nehmt jenes, nehmt mir alles. Peinlich.

    Und nein, ich bin kein Pirat. Nicht mal annähernd. Aber ich finde den Gedanken interessant, dass auch Künstler für ihr Geld arbeiten sollten. Wie früher auch, ehe jemand das Urheberrecht vergewaltigt hat.

    • @Early

      omg! early du ausgebrannte energisparlampe. da spricht ja mal eindlich einer vom fach der ahnung hat. ja, es wird zeit das die künstler endlich wieder arbeiten!
      mir geht das auch auf den sack, dass die ganzen kollegen von morgens bis abends der spätrömischen dekadenz fröhnen und außer champagnersaufen und kaviarfressen nix produktives mehr beitragen.

      und, liebe ehemalige energiesparlapme early!
      es sind kommetare wie deine die das internet so wertvoll machen.

      mach weiter so.
      spar energie!

      • liebe angela,

        das wollen wir doch nicht hoffen.
        es wäre schlimm und nicht im sinne des sache, wenn es denn so wäre.
        nichts ist schlimmer als arbeitende künstler.
        schliesslich sind sie ja künstler und nicht arbeiter. und nur so lange die künstler auch kunst machen, sollten die arbeiter bereit sein für diese zu arbeiten. das ist sinnvolle arbeitsteilung.
        denn wenn alle nur noch arbeiten.
        wer sollte denn dann die kunst machen?

        • Naja, es gibt schon einige gute arbeitende Künstler. Gerhard Gundermann zum Beispiel, allerdings ist er auch nicht sehr alt geworden.

        • @fk: Ich schmelze ob dieser Kommentare dahin! Leider befürchte ich hier trotzdem vergebliche Liebesmüh, aber mein Herz wurde gewärmt, das ist doch schon mal was.

  31. @den herrn des spiralteppich

    toptext!
    es gibt doch immer noch intelligenz im internet.
    und sie schreibt!
    rss-feed ist abonniert.

  32. Wenn ich mir diese billige Polemik ansehe, kommen mir schwere Zweifel am Wert von Urheberschaft. Peinlich genug, diese von kindischem Humor und pubertärer Gekränktheit gekrümmte Haltung zu einer Debatte, die weit komplexer ist, als dieses Geschwafel vermuten lässt. Und noch peinlicher diese Claque. Erinnert sehr an “Das Leben des Brian”, wo Brian der Masse zuruft: “Ihr seid alle Individuen” und die Masse im Chor zurückgrölt: “Ja, wir sind alle Individuen”. Solchen Individuen, möchte ich im Zweifelsfalls nicht ausgeliefert sein. Und noch weniger solchen, die Anonymous mit der Gestapo zu vergleichen.
    Ich bin übrigens auch keine Piratin. Und ich kann mich nur Early anschließen, wenn ich sage, dass ich mir als Künstlerin gern Geld erarbeite. Das schließt den Schutz meines Urheberrechts nicht aus. Wer dieses Recht bisher aber am allerwenigsten geschützt hat, sind die Konzerne und Einrichtungen, die das gegenwärtig am lautesten reklamieren und sich seit Jahren an unseren Rechten bereichern.

  33. Naja, es war nur ein 3er BMW. Aber nächstes Mal, bevor du ein Auto opferst – ist ja Berlin –, schenkst du es mir, damit ich raus zu den Schafen fahren kann.

    Kommste mit? Wo finde ich deine Smartphone-Nummer überhaupt?

  34. Herrlich! Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen und auch noch mit soviel schönem Humor und Biss.

  35. … amüsant soweit. Ich rauche zwar noch, habe aber der Urheberei zur Bereicherung der Verwertungsgesellschaften schon vor Zeiten abgeschworen. Toll finde ich die Selbstabstrafung der GEMA, die nun endlich kapiert hat, das urheberrechtlich geschütztes Musikgut einfach nichts in kleinen Clubs und Veranstaltungsorten zu suchen hat. Hut ab, eine Idee, die von Fantasie und Weitblick zeugt! Das da vorher noch niemand drauf gekommen ist, so simpel wie diese Lösung ist, die Mineralölkonzerne machen das doch schon länger: Preise hoch, bis keiner mehr fährt von diesemganzenmittellosenMob.

    • Gerade für kleine Clubs ist es durch die neuen GEMA-Tarife billiger geworden.

      Passt aber nicht ins Weltbild ( GEMA=’der Leibhaftige’ ) und wird deshalb in stillem Einvernehmen verschwiegen.

      Könnte man aber ganz einfach in Erfahrung bringen, wenn es einen denn wirklich interessieren würde.

      https://www.gema.de/veranstaltungstarife

      • ist das also eine Ente: https://fbcdn-sphotos-a.akamaihd.net/hphotos-ak-ash3/535116_10150931685234976_365468839975_11798464_139037433_n.jpg ???

  36. Wieder einer der Piratenpartei und Anonymous nicht auseinanderhalten kann.
    Ich hoffe, die Verwerter bezahlen das wenigstens gut.

  37. Klasse Text!
    Und die paar vergrämten Gegenangreifer sagen zwischen den Zeilen doch sehr genau, warum sie das Urheberrecht in Wahrheit aushebeln wollen. Sie sind offenbar selbst erfolglos und deshalb sollen auch andere keinen Erfolg mehr mit Kunst haben dürfen. Wie macht man’s, man nimmt ihnen einfach die Grundlage, hahaha… Mit derart bemitleidenswerten Loosern hat man es natürlich schwer in einen konstruktiven Dialog einzutretenden. Seufz, man muss es trotzdem versuchen.

    • …mh, es geht also darum, dass nur erfolgreiche Urheber überleben?? …ok, bei der Deutung machen die GEMA-Aktionen natürlich noch mehr Sinn. Ich halte mich eigentlich für einen Freund des urheberrechtlichen Grundmodells, so wie ich es verstehe: wer geistiges Gut schafft und die Gesellschaft damit kulturell definiert, sollte nicht leer ausgehen. Aber es ist kaum zu übersehen, dass die Digitalisierung aller geistigen Produkte und die damit verbundene verlustfreie Reproduktions- und Vervielfältigungsmöglichkeit (die es ja schon ein paar Jahrzehnte gibt) von vielen Kulturschaffenden und ihren vorgeblichen Interessenvertretern eher mit repressiven Maßnahmen als mit sinnvollen Lizenzmodellen bedacht wurde. Das rächt sich jetzt … gorbi-mäßig eben. Und wie immer im Kapitalismus findet eine Abschöpfung ja sehr wohl statt, nur eben nicht unbedingt für die Produzierenden …
      Nebenbei: Gesetze, die beständig massenhaft übertreten werden, gehören reformiert.

  38. Das ist sehr schön geschrieben. Und Anonymous kann man auch gern mal hauen, vor allem wegen dieser widerlichen Schwachsinns-Akton. Aber den Knackpunkt der herrschenden Kriminalisierung von Usern lassen ja gern mal alle weg, die es jahreang vermasselt haben, vernünftige Grundlagen für einen bezahlte und faire Nutzung im Internet zu schaffen (ich nehme den Autoren hier ausdrücklich von diesem Vorwurf aus). Die meisten Urheber scheren sich leider nicht um die Generation der nachwachsenden und existierenden Konsumenten im Internet. Und dia Abmahnung von leuten, denen andere auf Facebook ein Bild in das Profil gestellt haben, finde ich zu harsch. Wie so einige Auswüchse des Urheberschutzes. Auch, wen Dummheit nicht vor Strafe schützen kann.
    Ich echt mitbekommen, wie Kontrolleties in der Hamburger U-Bahn Jugendliche angemacht haben, weil diese keine GEMA für die öffentliche Aufführung bezahlen würden und die Neuordnung der GEMA Gebühren für Clubs ist eine Riesen-Sauerei, die unsere kulturelle Landschaft nicht bereichern, sondern ausdünnen wird, weil diese Gebühren fast unbezahlbar sind.
    Ich habe http://wir-sind-die-buerger.de/ unterschrieben. Für ein Urheberecht, aber ein reformiertes. Und man darf mich auch gern outen. :-) Alle Daten im Internet zu finden. Fast.

  39. ich gestehe … ich bin auch “urheber” … ich schreibe software.
    Gut, die mag vielleicht nicht so lyrisch daherkommen wie Ihre, aber immerhin besteht sie (meist) auch aus Buchstaben ( und sogar Zahlen und Sonderzeichen! ).
    dennoch gibts es zumindest im software umfeld zwei paralelle Welten, Open Source und Closed Source, die nebeneinander existieren.
    Und, man glaubt es kaum, BEIDE verdienen Geld damit.
    Wieso müssen Urheber aus “der alten” Zeit eigentlich immer beide argumente gegeneinander ausspielen?

    • Ist bei der Kultur ganz genau so. Kann jeder machen wie er will.

      Die Einzigen, die ein Problem daraus machen, sind die Piraten.

      ‘Nieder mit den Verwertungsgesellschaften und fröhlich-freies Kopieren für Alle!’,

      das ist nunmal der Heilige Gral des piratischen Heilsgedankens, gewissermaßen ihre tradierte Folklore, wie uns der Herr Lauer kürzlich erläutert hat.

      Ausnahmen können da nicht geduldet werden.

    • sehr geehrter georg,

      dieser vergleich wird ja gerne angeführt und liegt nahe. nun gibt es aber trotz der gemeinsamkeit der sprache und der intellektuellen leistung der programmierung und des künstlerischen schaffens einen unterschied in der interpretation.
      kunst wird von menschen interpretiert, code (nicht interface!) von der maschinen.
      mit open source verdient man natürlich auch geld. hier aber über konfektion und beratung mit dem umgang des interpreters, der maschinen.
      für musik oder andere kunst benötigt es aber keine beratung beim interpretieren – es sein denn eventuell kunstvermittlung, das ist aber eine mühseelige sache…

      die parallelen enden also auch an bestimmten stellen.
      von daher sollten man das nur bedingt gleich setzen, auch wenn für beide bereiche die regeln des ‘geistigen eigentums’ gelten.

  40. Pingback: Mein Kommentar (redigiert) zu „Ich gestehe: “Ich bin Urheber” – Selbstanzeige bei Anonymous” — JaskerBits

  41. “Ich habe den Hinweis “gemafreie Musik” bisher stets für einen Hinweis auf niedrige Qualität von Pornofilmen auf Betamax oder Video 2000 gehalten.”

    Also das halte ich wirklich für ein Verbrechen :) Auch wenns nicht mit Todesstrafe oder Freiheitsentzug geahndet werden sollte, aber ansonsten mal drüber nachdenken und Reue zeigen für Sie selbst wäre gut!

    Ansonsten guter Artikel, der mich gut amüsiert, aber auch nachdenklich stimmt.

    [/SympathisantvonPiratenPartei]

  42. ich muss zugeben, dass mich durch der satz, wegen hören von musik am laptop, etwas angegriffen fühle.

    tu ich nämlich auch – fast ausschließlich. jede menge internetradio, klar youtube, was auch immer, sogar cd’s, die ich gekauft habe oder geschenkt bekommen hab, von denen, die (gute) musik mal so nebenbei machen.

    teilweise auf den rechner kopiert, muss ich das zeug nicht mitschleppen.

    und manchmal häng ich sogar aktivboxen dran, an das klappteil.

    gehackt hab ich auch schon: das passwort vom rechner meines schwagers.

    nur es interessiert mich tatsächlich nicht, wo wer seinen bmw stehen hat (außer ich hätte den schlüssel und müsste das ding finden) oder derartiges.

    auch wenn ich mich nicht so genau bei dieser angst beteiligen kann, dafür an jeder menge anderen:
    irgendwie stört mich an solchen diskussionen diese besitzstandswahrermentalität.

    ach ja, ich kaufe immer noch bücher, z.b. vorm buchgeschäft auf dem krabbeltisch. und lese sie auch ab und an. oder bekomme sogar eins geschenkt, von jemand, der sich gedanken macht, um mich und meine situation und zufällig von einem buch hört, dass doch dazu passen könnte.

    und wenn mir das, was in den büchern beschrieben wird, mir doch allzu fremd ist, dann frage ich nach, den oder die anderen.

    bücher sind toll. krabbeltischbücher eher billig und vielleicht trotzdem gut.

    nur von charlotte roche würd ich mir trotzdem keins kaufen, leseprobe im i-net reicht oder ich leihs mir vielleicht mal aus.

    dafür lese ich aber ganz viel kommentare zu dies oder jenem, auch zu den büchern von c. roche.

    Oder anders gefragt: ist die kunst für viel geld wirklich mehr kunst oder die bessere kunst?

    oder sind diese künstler nur die besseren marketingexperten?

    und keine angst, lieber blogschreiber, niemand hat vor sie umzubringen, wozu auch?

    oder isses einfach nur das: jetzt hat man es endlich geschafft und jetzt kommen die?

    auch gut zum lesen, inkl. kommentare:
    http://www.zeit.de/2012/20/Aufruf-Urheberrecht

    oder
    http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-05/urheberrecht-facebook-tischer

    es soll übrigens jemand geld damit verdient haben, dass er über jemanden schrieb, der sein müssiggängerleben mit den tantiemen einen weihnachtsliedes, das er noch nicht mal selbst komponiert hat, sondern die rechte geerbt, finanzierte.

    grüße

  43. Ich bin bei der GEMA und der vgwort, aber dieses Geschreibsel und kindisches Gejammer und piratenbashing ist einfach nur traurig. BTW: die Piraten sind ja lustigerweise genau die, die 95% der Urheber besser stellen wollen – die meisten Urheber sind leider zu blöd das zu schnallen, wie auch hier.

  44. Ich bin auch einer von diesen Blöden, die das nicht schnallen, obwohl mir doch hier

    http://www.piratenpartei.de/2012/04/15/vorstellung-der-urheberrechtspositionen-der-piratenpartei-und-aufklarung-von-mythen/

    diese Besserstellung in schnörkelloser Diktion erklärt wird:

    “Jeder Urheber soll selbst entscheiden, ob er sein Werk ins Internet stellt oder es nur einem begrenzten Empfängerkreis zugänglich macht. Veröffentlicht er es allerdings, dann soll jeder das Recht haben, es für nichtkommerzielle Zwecke zu nutzen und weiterzuverbreiten. ”

    Wenn ich mein Werk also nur einem ‘begrenzten Empfängerkreis’ zugänglich mache, dann gibt’s auch null Problemo mit den Piraten, richtig?

    Veröffentliche ich es, bin ich selber schuld und habe mein Recht auf Entlohnung bei privatem Konsum für alle Zeit verwirkt.

    Ich fühle mich dadurch nicht besser gestellt.

    Zähle ich vielleicht zu den 5%, die die Piraten nicht besser stellen wollen, weil sie ihre Werke hier und da auch gerne mal veröffentlichen?

    • Na, da hat ja jemand fein einen Satz rausgesucht und aus dem Zusammenhang gerissen, damit er den eigenen Vorstellungen des vermeintlichen Gegners entspricht. Diese Art der “Auseinandersetzung” stößt mich ab.

      Abgesehen davon, dass das ein Positionspapier ist und eine mögliche Umsetzung ganz bestimmt nicht 1:1 diesen Vorstellungen entsprechen wird, ist Ihre Auslegung für mich nicht nachvollziehbar.

      Warum sollte nach den Ausfuhrungen der Piraten mit einer Veröffentlichung im Interbet “Recht auf Entlohnung bei privatem Konsum für alle Zeit verwirkt” sein? Es ist nur ein Recht zur nichtkommerzeillen Nutzung vorgesehen. Das schließt eine kommerzielle (oder nichtkommerzeille) Verwertung durch den Urheber nicht aus. Und die Masse der Konsumenten wird den Bezug aus kommerziellen Quellen vorziehen. Einfach weil es bequemer ist.

      Aber das haben Sie selber verstanden, nur passt es nicht in Ihr Weltbild.

      BTW: Es wäre schön, wenn Sie sich nicht hinter einem Pseudonym verstecken würden. Zum Einen ist es aus meiner Sicht unehrenhaft hinter einer Maske zu pöbeln (das ist Anonymous-Niveau) und zum Anderen würde es mir helfen, Ihre Werke – sofern sie überhaupt von Interesse sind – zu meiden. Denn ich zahle für den Kontent, den ich konsumiere, und möchte Sie dadurch nicht unterstützen.

      • “zu nutzen und weiterzuverbreiten”

        Danke für ihr Einverständnis, dass ich es parallel zur kostenlosen privaten Weiterverbreitung im Netz dann dort auch weiterhin gegen Geld anbieten darf.

        Und natürlich ist es für den Konsumenten viel bequemer, sich durch eine Zahlungsroutine zu navigieren, als es einfach so irgendwo downzuloaden.

        • Bitte hören Sie mit der Polemik auf.

          Ich habe Ihnen überhaupt kein Einverständnis gegeben, sondern nur das klargestellt, was Sie mit Ihrer sinnentstellenden Zitierweise unterschlagen hatten.

          Ja, es ist für mich angenehmer, ein mir bekanntes Portal wie iTunes oder Amazon zu nutzen, als zu suchen, wo es Dateien gibt, die vielleicht das beinhalten, was ich suche.

          Aber schön, dass Sie es ansprechen. Sie haben gerade die Kritik bestätigt, dass die legalen Systeme zu umständlich sind. Das ist nicht meine Schulde oder gar die Schuld der Piraten, sondern jener Menschen, die Ihnen für ein kleines Handgeld die Vermarktung aus den Händen nehmen und die Sie so in Schutz nehmen.

          Erst hat es die Musikindustrie verkackt, ein benutzbares System anzubieten, mit dem man ohne viel Schmerzen und zu akzeptablen Preisen Musik online kaufen kann. (Da müsste erst ein halbruinierter Computerhersteller kommen…)

          Und nun das gleiche Versagen bei den eBooks: Ein Wirrwarr von inkompatiblen Formaten und eine Bindung an ein Gerät bzw. Anbieter. Das ist doch Mist.

          Ich möchte mit einem eBook die gleichen Sachen machen können, wie mit einem Papierbuch. Warum soll ich bei fast gleichem Preis weniger Möglichkeiten haben?

          Und es wäre auch weiterhin schön, wenn Sie hier wie ein Mann mit Ihrem Namen zu Ihren Worten stehen würden.

          Oder sind Sie Ihnen zu peinlich, als das Sie in der realen Welt mit Ihnen in Verbindung gebracht werden wollen?

          Aus meiner Sicht ist es schon alleine eine Frage der Höflichkeit, den Namen zu nennen, wenn jemand mit Ihnen diskutiert.

  45. Schöner Text!

    Und gar nicht schön bei den Urheberrechtspositionen der Piratenpartei ist dieser Teil:

    “Niemand verlangt, dass alle Urheber kostenlos Werke schaffen. Die Nutzer sind in der deutlichen Mehrheit bereit, Geld für Kulturgüter auszugeben. Aus diesem Grund funktionieren die meisten derzeitigen Geschäftsmodelle immer noch sehr gut. Weiterhin gibt es viele neue Geschäftsmodelle, wie Crowdfunding, Social Payment, Werbefinanzierung und den Verkauf nicht digital kopierbarer Dinge, wie Sammlerstücke, handsignierte Exemplare, Merchandiseartikel, Auftritte usw. Alle Geschäftsmodelle, welche die nichtkommerzielle Vervielfältigung unbeschränkt lassen möchten, werden von den Piraten als unterstützenswert betrachtet.”

    Die Nutzer sind bereit zu zahlen? NEIN. Wir leben in einer “All-inclusiv-Urlaub” Gesellschaft, alles so viel wie möglich für so wenig Geld wie möglich. Die Masse kauft bei Lidl – ungefragt nach Herkunft und Vergütung der Erzeuger, die Masse greift ungefragt nach den Büchern die umsonst auf der Straße verteilt werden, die Masse läd sich Gesamtdiskographien in 4 Minuten und hört sich das Zeug vielleicht nicht mal an, aber es muss besessen werden. Das Menschenbild von dem die Piraten naiver weise ausgehen ist ein idealistisch überhöhtes und selten anzutreffendes. Ausgehend aber von der Masse (für Piraten: dem Schwarm ausserhalb des www) wird die gewünschte Gesetzesänderung nicht ohne weitreichende Konsequenzen für Kunst und Kultur bleiben.

    Der Vorschlag der Werbefinanzierung schlägt dem Fass dann endgültig den Boden aus. “Lieber Urheber, wir brauchen da was junges, freches in unser Produktline. Was sie machen ist ja ganz gut, aber könnten sie das bitte noch Cola-iger gestalten? Sie wissen schon: bunt, lustig, frech – dafür bezahlen wir sie dann ja auch mit schöner bunter Werbung von uns auf Google, Youtube und Co” Mensch, das wird eine tolle und freie Kulturgesellschaft in der wir dann leben… Danke Piraten, spitzen Idee. Aber die die sowas nicht wollen, dürfen dann immerhin noch vor dem Beginn ihrer Arbeit noch mit dem Hut rumgehen, Geld beim Crowdfunding sammeln und hoffen, dass ihre Idee schon vor der Fertigstellung gut ankommt. Falls nicht, reichts halt nicht, dann war die Idee eben nicht schwarmgeschmackig genug und in der schönen neuen Piraten(kultur)welt lebt nun mal nur noch das, was der Schwarm für lebenswert hält.

    Ich mache mir Sorgen!

    • Ich bin Nutzer. und ich fühle mich von Ihnen beleidigt, weil Sie die Lüge über mich verbreiten, ich wäre nicht bereit für Inhalte zu Zahlen.

      Ich bin seit Jahren iTunes-Kunde und lasse dort einen ganzen Haufen Geld. Monatlich verflattre ich wahrscheinlich mehr Geld, als Sie für Ihren Internetzugang ausgeben. Ich habe ein Abo bei Lovefilm und Spotify. Und das ich kein Einzelfall bin, bezeugen die Umsätze der genannten legalen Quellen, sowie anderer Dienste im Ausland, die in Deutschland von den Konsumenten sehnlichst erwartet werden, aber nicht an den Start gehen dürfen…

      Ich Sie behaupten, ich sei nicht bereit zu zahlen?

      Diese falschen Behauptungen Kotzen mich genauso an, wie die Anti-Piraterie-Spots, mit denen ich beleidigt werde, wenn ich eine Kinokarte bezahlt, eine DVD gekauft oder legal für gegen Geld geliehen habe.

      Wir bezahlen die Urheber, die Rechteverwerter und deren Schergen und müssen uns beschimpfen lassen, dass wir nicht bereit sind zu zahlen.

      Wie blöd sind wir doch, dass wir nicht tun, was Sie behaupten, das wir tun oder nicht tun.

      Beleidigen Sie bitte nicht die Hand, die sie füttert.

  46. Genau solch eine Überspitzung wird Realität, wenn man für das Runterladen EINER Mp3-Datei, 500 Euro Abmahngebühr bezahlen muss.

  47. Pingback: Meine soziale Woche #3 | Markus Freise | Internet . Illustration . Design . Poetry-Slam | Bielefeld

  48. Ich lese diesen Text hier weil er kostenlos ist. Müsste ich bezahlen, hätte ich ihn nicht kennengelernt. Manchmal glaube ich, um genau diesen Punkt geht es in der unsäglichen Debatte über das Urheberrecht. Und nicht unbedingt darum, ob Inhalte was wert sind, oder nicht.

    Nimmt man dazu noch die Unfähigkeit mancher Zeitgenossen sachlich zu bleiben, kommt dabei so was erschreckend dämliches wie „Die Urheberrechtsdebatte“ raus. Dabei ist es vollkommen idiotisch zu glauben, man darf jemanden etwas weg nehmen, nur weil man es kann …

  49. Haha. Jetzt erst gesehen: Der Autor ist WERBER, der rein zufällig für das Handelsblatt und – jetzt kommt’s – die Grünen arbeitet. Das erklärt das Piratenbashing natürlich. Ich lach mich krank über die VHS-”Künstler”, die alle heiraten wollen.

    • Hans, gehst Du zum Lachen in den Keller?
      Das ist gaaaaannnz großes Kino. Wunderbar gekontert. Großartiger Text.
      Ein Urheber

  50. Ich würde jetzt nicht sagen, daß die ganzen “Heirate-mich”-Kommentare von VHS-Künstlern kommen aber diese äußerst billige Polemik dieses “Urhebers” ist so billig, daß man eigentlich bezahlt werden müsste, wenn man diese liest.

    Der Autor weiß nicht einmal, was “Anonymous” ist. Er hat nicht mal verstanden, daß “Anonymous” keine Organisation oder feste Gruppe ist sondern mehr oder weniger ein Pool von überwiegend jungen Menschen, welche viele Sorgen und Bedenken teilen. Welche die Kriminalisierung von jugendlichen Musiktauschern (war früher normal im Schulhof) erleben und nicht fassen können, während Banken Milliarden verbrennen. Welche kein oder wenig Vertrauen in die Demokratie oder die internationalen Menschenrechte mehr haben. Oder daß jeder sich “Anonymous” nennen kann (ggf. wird das “Anonymous-Kollektiv” davon distanzieren.

    Der Autor hat nicht verstanden, daß die Piratenpartei das Urheberrecht nicht nur nicht abschaffen will, sondern sogar die Rechte der Urheber (nicht zu verwechseln mit den Verwertern) auch und vor allem gegenüber den Verwertern stärken will.

    Der Autor hat nicht mal verstanden, daß sich hunderttausende Menschen verspottet/verhöhnt (siehe DVD/CD/Kino) fühlen, weil der ehrliche Kunde der Dumme ist und die MAFIA (Music and Film International Associations) neue Angebote/Modelle völlig verschlafen haben. Napster hat sie damals kurz geweckt, wurde aber mit einer Energie niedergebügelt, mit der man hätte sinnvolleres anstellen können. Jetzt, bald 15 Jahre nachdem das Internet so groß wurde, kommen erste Flatrate-Musik- und -Film/-Streamingtarife (Spotify, Lovefilm, Maxdome etc. pp).

    Währenddessen wird schön weitergeschlafen und wenn die Bürger alternative Wege finden, Filme/Musik/Wasauchimmer zu tauschen, rücken gleich wieder die Abmahner an, statt daß man für weitere, attraktive Angebote sorgt.

    Und nun blasen die ganzen “Urheber” alle ins selbe Horn der Verwerter, als ob die jemals freiwillig den Urhebern auch nur 1 cent mehr als nötig bezahlt hätten. Nein, Exklusivverträge bekommen die Autoren aufgenötigt, die Verwerter verwerten wo und wann es ihnen passt und die Autoren scheißen ihre Kunden an.

    Ganz großes Tennis!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

HTML-Tags sind nicht erlaubt.