Das war’s: Die re:publica ist zu Ende gegangen

Die re:publica ist noch nicht vorbei, ich war auch nicht dort, sondern habe mir das Zeug knallebekifft von all dem Matesoda auf Twitter gegeben, wie es sich für einen ordentlichen Blogger ja gehört. Trotzdem ist es bereits jetzt höchste Eisenbahn für ein Fazit.

Berlin. Die diesjährige re:publica stand im Zeichen der Trauer. Es ist dies die Trauer der Netzelite, die das Einbüßen der Hegemonialmacht erst einzusehen beginnt. Sascha Lobo war da und hat viel von früher erzählt: Da war der VC 20. Da war etwas namens “Pron” und noch ein Etwas, das hieß “Pubertät, und das gehörte irgendwie zusammen. Und jetzt ist da YouTube, und jetzt sind da die Leute auf YouTube, die ganze YouTube-Generation – ob ihm das bitte mal jemand erkären könne?

Und dann ist da noch Google. Und dieses Facebook mit diesem Instagram und alles an der Börse. Die Leute mit dem Geld und die immer noch 30 Millionen, die von Instagram und den dortigen Sonnenuntergängen noch nie gehört haben / sie nie gesehen haben. Scary.

Vorher war da Eben Moglen gewesen und hat dem Affirmationsnachrichtendienst SpOn ordentlich Angst gemacht. “Die Medien konsumieren jetzt uns”, hat er gesagt, früher sei es anders, ja: geradezu umgekehrt gewesen. Schauder. Liebes SpOn: Fürchtet euch nicht! Sowas sagen Leute immer, wenn sie Juraprofessor in Tateinheit mit “Free-Software-Aktivist” sind. Was sollen sie auch sonst sagen. Liebes SpOn: Fürchtet euch nicht, ängstigt euch zu Tode. Solche Leute haben meistens recht. Schon mal auf Facebook gewesen? Oder neu.de?

Und natürlich sind da überall auch die Piraten. Von denen weiß niemand, was die wollen, was das soll und wann und ob dieser Spuk zu Ende geht. Denn die Gründungsmitgliedschaft der Piraten speist sich zwar aus der re:publica-Blase oder der C-Base. Aber das ist lange her. Jetzt sind hier wie dort andere Leute, Leute, die keiner kennt.

Voll ist es geworden im Internet. Zwei Dekaden haben sich gefühlte 4.000 Leute Gedanken darüber gemacht, was es bedeutet, dass 1.500 Leute jetzt ein Massenmedium sind. Das war eine sehr interessante Zeit, von der man nur ungern lassen möchte (Lobo empfiehlt den eigenen Blog inzwischen als Alternative zu Social Networks generell. Nun kann ich auf spiralteppich.de im Unterschied zum Facebook-Profil, das ich nicht habe, tatsächlich machen, was ich will. Schön für mich, aber: na und?). Und jetzt sind es 4.000 Leute, die sich einem unbekannten Massenmedium gegenübersehen – mächtiger noch als Fernsehen! Und das Fernsehen war mal big! -, das sie glaubten steuern zu können, zu verstehen, Umgang mit haben zu können.

Wenn es irgendwo voll wird – und dann noch so voll wie im Internet! Etwa zehn Prozent aller Sonntagsfragenbeantworter würden eine diesbezügliche Klientelpartei wählen, wenn nächsten Sonntag nach sowas gefragt würde! – steht man sich eigentlich auf den Füßen und rempelt man sich an. Nicht so im Internet! Denn auf das Internet trifft wirklich und wahrhaftig und tatsächlich eine der Heilshoffnungen zu, die von der damals jungen re:piblica-Generation und von dem schon immer alten Jeff Jarvis verkündigt wurde: Das Internet ist unendlich.

Es sind die Geister, die ihr rieft. Es ist die Prophezeihung, die wahr geworden ist. Es müssen unglaubliche Schmerzen sein für VIP-Twitterer zu sehen, wie das einst freie Twitter einen nun in die geschlossene Systemwelt der App treiben. Da hilft auch der Data-Sniff-Zugang, den Twitter nur Eingeweihten zur Verfügung stellt, nicht. Man ist nicht mehr eingeweiht, man ist nicht mehr one of the chosen. Der Auserwählte ist von nun an der Mob. Und Mark Zuckerberg.

Wer sich vor gar nicht allzu langer Zeit bei 9.600 baud mit einem Dr-Neuhaus-Modem bei Compuserve eingewählt hat, hat Anderes erwartet: Größeres. Oder Kleineres, je nachdem.  Was habt ihr erwartet!

Die Republica ist vorbei.

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3 comments on “Das war’s: Die re:publica ist zu Ende gegangen

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  3. Lustig. Ich war zwar nicht da, aber sich sag’ Euch mal, wie es war.
    Erinnert mich ein bisschen an meinen Kindheit als ich – weil mir meine Eltern bestimmte Fernsehsendungen verboten haben – die Inhaltsangabe aus der Fernsehzeitschrift gelesen habe, um am nächsten Tag mitreden zu können. Dabei sind mir natürlich große Teile des Inhalts entgangen, war aber egal. Hauptsache mitreden können.

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