Der arme Künstler wird zum Bundesgesetz – Teil III: Schutzfristen, neue Nutzungsarten und viel, viel Anderes

“Themen statt Vollpfosten”, fordert Christopher Lauer in seinem Blog. Denn es sei klar, was in aller Welt die Piraten wollen – insbesondere beim Urheberrecht: “viele viele andere Regelungen”. Es bleibt ominös. Vor allem, warum den Piraten die Urheberrechtsdebatte “aufgedrängt” werde.

Wenn denn alles so krass klar ist – warum weiß denn dann keiner, was die Piraten angelegentlich des Urheberrechtgesetzes gerne ins Werk setzen möchten? Das liegt, so Lauer, daran, dass sich an entsprechender Stelle im Internet leider ein veraltetes pdf befände. Er, Lauer, habe auch schon eine liquide Mail an den pdf-Beauftragten geschickt und somit alles Notwendige veranlasst. Haben diese digital na(t)ives eigentlich kein Telefon?

Bis also das pdf gefunden und eingestellt ist, müssen wir also mit Lauers dankenswerterweise veröffentlichten Stichpunktliste befassen. “Unsere Position ist eigentlich klar”, schreibt Lauer. Und zwar:

Volles Urheberrecht für den Urheber. 10 Jahre nach Tod des Urhebers gehen die Rechte in die Allgemeinheit über.

Gut, das ist spatzenvondendächernpfeifmäßig in der Tat keine Überraschung. Interessant wäre allmählich dann doch mal die Begründung für diesen Unfug. Zweifelsohne ist diese Forderung nicht ganz ohne Komik: Auf diese Weise wäre ein potenzielles Motiv eines Mordes an Paul McCartney vorstellbar, ausgeführt vom Schwarm. Schon zehn Jahre danach wäre der Katalog der Beatles endlich bei iTunes erhältlich und bei spotify hörbar. Auch wäre interessant zu wissen, ob den Piraten bekannt ist, dass sie mit dieser Forderungen einen der weltweit größten Verwerter auf vermutlich ewig stärken: Google.

Gooooooooooooooogle, mit piratigen Grüßen

Den wirklich wichtigen netzpolitischen Themen aber verweigert sich die Piratenpartei aber beharrlich. Für Google und Facebook sind sie daher nützlich Idiot. Liebe Piraten: Meint ihr nicht, ihr solltet euch in Äther braten lassen?

Werke können nur auf Wegen vermarktet werden, die zu Vertragsabschluss bekannt sind.

Nun gut, das klingt prinzipiell so, als wäre es am Ende tatschlich diskutabel. Die “unbekannten Nutzungsformen” sind tatsächlich ja so eine Sache, die insbesondere durch das Internet tatsächlich Regelbedarf erhalten hat. Leider stimmt in der obigen Formulierung schon das Hilfsverb nicht: Wie wäre es mit “sollen” oder “dürfen”?

25 Jahre nach Vertragsabschluss mit einem Verwerter gehen alle Verwertungsrechte wieder zum Urheber zurück.

Populistischer Quatsch, mittels dessen den Betroffenen eingeredet werden soll, die Piraten seien in Wirklichkeit ihr Freund. Jan Delay hat Herrn Lauer unlängst im Spiegel deutlich erklärt, warum es ihn nichts angeht, für wie lange der Künstler die Mechanischen auf einen Verwerter überträgt. Da grundsätzlich Vertragsfreiheit herrscht, gibt es in dieser Frage auch nicht die geringste gesetzgeberische Handlungserfordernis.

Entkriminalisierung von Peer to Peer Tauschbörsen. Seiten wie Pirate Bay, Megaupload und Kino.to wird es auch mit der Piratenpartei nicht geben.

Politikergewäsch 1.0. Allein das Wort Entkriminalisierung ist schon köstlich. Muss man sich nicht mit befassen, einzig die Bemerkung, dass es die genannten Seiten durchaus bereits gibt, ob mit oder ohne die Piratenpartei. War es nicht so gewesen, dass man das Internet nicht regulieren kann? Und jetzt will man einzelne “Seiten” – ja was: sperren? Löschen?

Hätte es eine Seite wie Pirate Bay nicht gegeben, gäbe es die Piratenpartei nicht. Denn danach hat sie sich benannt. Weiß dies Herr Lauer nicht oder ist es schlicht die Lust am abseitig Paradoxen, die bei der artigen Formulierungen die Feder führt? Oder wird alles, was die Piraten schriftlich äußern, in Wirklichkeit durch ein computerlinguistisches Programm mit Facettierung geschrieben?

Viele viele andere Regelungen, zum Beispiel kostenlose Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke in Bildungseinrichtungen.

Also, meine Bildungseinrichtung verfügte über eine Bibliothek, die kostenlos zugänglich war. Allerdings wurde die bezahlt von einem Verwerter, der ziemlich viel Asche mit Verwertungsrechten gemacht hatte. Aber freuen wir uns einfach auf viele, viele andere lustige Regelungen!

to be continued

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