Jesus und die Netzpoltik: Wofür der Schwarm sein Geld ausgibt

Hollywood war gestern. Die gesamte böse Kulturindustrie ist abgeschafft. Jetzt entstehen kulturelle Güter durch das Netz. Jeder kann Filme und Musik kostenlos nutzen. Bezahlen tut im Zweifel der Schwarm per Flattr oder Kickstarter.

Der bayrische Landesverband der Piratenpartei erklärt, wie die schöne neue Welt mit einem neuen und verbesserten Urheberrecht noch viel, viel schöner wird. Es gebe, so der Reader Urheberrecht [pdf], viele herrliche Beispiele, wie die Netzgemeinde kulturelle Güter finanziert habe. Daher brauche man weder Hollywood noch Universal Music noch sonstwen aus der alten Zeit. Zum Beiweis, dass Schwarmvorfinanzierung und Social Payment absolut geeignete Mittel zur Finanzierung kultureller Güter sind, empfiehlt die Piratenpartei einige Filme, die auf diesen Wegen entstanden sind oder bald entstehen könnten. Genannt werden die Filme “Blue Like Jazz”, “Us Now” und “The Yes Men Fix the World”.

“Blue Like Jazz”

“Blue Like Jazz” ist noch nicht erschienen. Gleichwohl aber hat nach Ansicht dieses Bettelfilmchens der Schwarm 345.992 Dollar in den Klingelbeutel geworfen, obwohl nur um 125.00 Dollar gebeten worden war. Was mit dem überschüssigen Geld passiert, ist nicht recht zu ergooglen. Von was der Film handeln soll, hingegen schon. Er basiert auf einem Buch namens”Blue Like Jazz: Unfromme Gedanken über christliche Spiritualität”. Schauen wir mal, was die Amazon-Kurzbeschreibung darüber weiß:

In seinen frühen Jahren hatte [Autor] Donald Miller eine vage Vorstellung von einem Gott, der weit entfernt war. Doch als er Jesus Christus kennenlernte, stürzte er sich mit Leidenschaft und Hingabe ins christliche Leben. Binnen weniger Jahre baute er eine erfolgreiche Arbeit auf, doch am Ende fühlte er sich leer, ausgebrannt und wiederum weit entfernt von Gott. In diesem tiefe Einblicke gewährenden Bericht schildert Miller seinen bemerkenswerten Weg zurück zu einem kulturell relevanten, unendlich liebevollen Gott. Miller schreibt erfreulich intelligent, und er hat eine aufschlussreiche, schöne, ja bewegende Geschichte zu erzählen.

Nun, das glauben wir gern. Für freikirchlichen Glaubensmüll dürfte sich namentlich in Amerika sicher so mancher finden, der einen kleinen Obolus beisteuert. Das ist schön und bewegend und, ja: aufschlussreich.

“Us Now”

Der zweite Filmtipp der Piraten von der Alm bietet Unterhaltung für die ganze Netzfamilie. Aufschlussreich und bewegend erklärt die durch den Schwarm bezuschusste Doku-Soap, wie bewegend es ist, wenn alle sich zusammentun, um eine Doku-Soap wie diese zu finanzieren. “Mehr Menschen können mehr Dinge an mehr Menschen mitteilen, als dies jemals zuvor n der Menschheitsgeschichte möglich war”, erläutert ein Herr mit Glatze das Credo gleich zu Beginn. Das ist natürlich eine brandaktuelle Botschaft, die nicht oft genug abgefilmt werden kann.

“The Yes Men Fix The World”

Zu Beginn treten zwei Herren auf und haben der Welt eine wichige Mitteilung zu machen. Nur das Netz sei in der Lage, wirkliche Freiheit zuzulassen. Und das können sie auch beweisen: “The Yes Men Fix The World” sei mit herkömmlich kommerziellen Mitteln nicht herzustellen gewesen, da der Inhalt “zu brisant” sei. Auch hier gibt es einen Beweis: Man sei bereits von irgendwem wegen irgendwas verklagt worden, ach du Schreck! Der Plot ist ansonsten folgender: Man habe sich als Geschäftsmann verkleidet und sich auf diese Weise Zugang zu den Meetings großer Firmen verschafft, wo man vor versammelter Mannschaft lustigen Schnulli erzählt habe, voll gonzo! Insgesamt ist der Film also eine Art “Kleider machen Leute” oder “Felix Krull” für kulturell Arme. Schnitt, Kamera und Ton sind unter aller Kanone.

Und die Moral von der Geschicht’?

Was lernen wir daraus? Nun, ganz einfach: Wer von Piraten oder ihren Wählern zu einem Filmabend eingeladen wird, sollte postwendend eine Absage twittern und sich gegen Bargeld einen Stapel Kauf-DVDs zulegen, mögen die auch geDRMt sein wie sie wollen.

Fin

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